Acht von hundert entfernten Bewertungen werden wieder gepostet. Wenn dir das passiert ist, bist du nicht allein — und die Strategie ist jetzt eine andere als beim ersten Mal.

Wir tracken seit 2022 jede Bewertung die wir für Mandanten entfernt haben. Etwa 8% kommen innerhalb von 90 Tagen zurück. Bei manchen Cases mehr, bei manchen weniger — aber das Pattern ist real und vorhersehbar genug, dass wir feste Reaktions-Strategien dafür haben.

Warum Google’s Algorithmus die Bewertung wieder zulässt

Hier ist die unangenehme Wahrheit: Wenn Google eine Bewertung entfernt, wird der Reviewer nicht gesperrt. Das Profil bleibt aktiv, kann weiter Bewertungen abgeben — auch zur gleichen Firma.

Wenn der Reviewer dieselbe Bewertung 1:1 nochmal postet, fängt das interne Anti-Spam-Filtering das in vielen Fällen ab. Aber wenn der Reviewer den Text minimal verändert — andere Formulierung, neue Adjektive, geänderte Detailangaben — kann die Bewertung den Filter passieren und wieder online gehen.

Die zweite Variante: ein neues Profil. Der Reviewer legt einen frischen Account an und postet eine ähnliche Bewertung. Solange die Pattern-Detection den Connect zum alten Profil nicht macht (was bei wechselnder IP, neuer E-Mail und neuen Bewertungs-Targets schwierig ist), läuft die Bewertung als „neu” durch.

Beide Mechanismen sind aus Google’s Sicht schwer komplett zu verhindern. Was wir aber machen können: schneller reagieren als beim ersten Mal, mit besseren Argumenten.

Strategie 1: Die zweite Meldung muss anders sein als die erste

Das größte Eigentor bei Reposts: identische Wiederholung der ersten Meldung. Wenn du beim ersten Mal mit „Spam, sieht aus wie Fake” gemeldet hast und das hat funktioniert, schreibst du beim zweiten Mal vielleicht das gleiche. Funktioniert oft nicht — Google’s System erkennt die Wiederholung und sortiert sie als low-priority ein.

Was stattdessen funktioniert:

Verweise explizit auf die erste Entfernung. Schreib in die Begründung: „This same content/from this same reviewer was previously removed by Google on [Datum]. The review has been reposted/recreated.” Das ist ein starker Trigger für die menschliche Review.

Zeige das Pattern. Wenn du Screenshots der ersten Bewertung und der zweiten hast, dokumentiere die Ähnlichkeit. Bei minimal abgeänderten Reposts ist der Vergleich offensichtlich, sobald man beide Versionen nebeneinander hat.

Wenn es ein neues Profil ist: belege die Verbindung. Identische Schreibmuster, gleiche Tippfehler, ähnliche Bewertungs-Schwerpunkte, identische Profilbilder — alles was die Connection plausibel macht. Bei einer Physio-Praxis in Lugano hatten wir letztes Jahr drei Reposts vom gleichen Pattern aus drei unterschiedlichen Profilen — das wurde als koordinierter Angriff anerkannt und alle drei in 9 Tagen entfernt.

Begründung kurz halten. 4-6 Sätze auf Englisch, mit klarem Verweis auf den Repost und der zugrundeliegenden Policy-Verletzung. Keine ausschweifenden Erklärungen.

In unserer Praxis ist die Erfolgsrate bei zweiten Meldungen mit dieser Strategie etwa 75% — deutlich höher als bei einer simplen Wiederholung der Erstmeldung.

Strategie 2: Wenn die zweite Meldung scheitert — Zeit für rechtliche Optionen

Wenn auch die zweite Meldung abgelehnt wird, geht es in eine andere Liga.

Bei wiederholten, gezielten Angriffen kommt das Schweizer Persönlichkeitsrecht ins Spiel. Wenn jemand systematisch falsche Tatsachenbehauptungen über dein Unternehmen postet, ist das eine Persönlichkeitsverletzung nach Art. 28 ZGB. Bei nachweislich koordinierten Angriffen greift zusätzlich das UWG (Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb).

Der Schritt zum Anwalt ist dann gerechtfertigt. Ein Schreiben an Google direkt, mit Berufung auf Schweizer Recht und Beilage der Beweisführung, hat eine andere Gewichtung als eine User-Meldung. In etwa 60% solcher anwaltlich geführten Fälle reagiert Google innerhalb von 14 Tagen mit Entfernung.

Was so ein Vorgehen kostet: 800-2500 CHF für das Anwaltsschreiben. Mehr Details findest du im Artikel zu Anwaltsschreiben für Google-Bewertungen.

Eine günstigere Alternative: professionelle Eskalation über einen Google Partner. Wir sind ein solcher Partner und haben Zugang zu Trust & Safety Channels die normale User-Meldungen nicht erreichen. Bei wiederkehrenden Cases ist das die Standard-Eskalation in unserem Monitoring-Paket — Erfolgsquote etwa 80% bei sauberer Beweislage.

Was wir bei diesen Fällen gelernt haben

Drei harte Lehren aus der Praxis, die viele unserer Mandanten erst lernen müssen:

Schnelligkeit zählt mehr als bei der Erstmeldung. Ein Repost in den ersten 7 Tagen entfernt zu bekommen ist deutlich einfacher als nach 30 Tagen. Aktiviere Monitoring damit du Reposts früh siehst.

Manchmal ist Aufgeben die richtige Entscheidung. Bei einem Coiffeur in Bern hatten wir drei Reposts in vier Monaten — alle entfernt, alle kamen wieder. Nach dem fünften Repost haben wir mit dem Mandanten besprochen: rechtlich vorgehen oder akzeptieren. Er hat sich für rechtliche Schritte entschieden, der Reviewer wurde via UWG-Klage zu Unterlassung und 8.000 CHF Schadensersatz verurteilt. Aber das war ein Jahr Aufwand.

Reposts sind oft ein Symptom für ein größeres Problem. Wenn jemand die Mühe macht, eine Bewertung mehrfach zu posten, hat er eine starke Motivation. Das ist meist Konkurrenz oder ein konkreter persönlicher Konflikt. Das Problem ist dann nicht die Bewertung selbst sondern die Beziehung — und löst sich oft erst wenn die Beziehung adressiert wird.

Häufige Fragen

Wie oft kommen entfernte Bewertungen zurück?

In etwa 8% aller Fälle innerhalb von drei Monaten. Bei klar koordinierten Angriffen kann die Quote höher liegen. Die meisten Reposts passieren in den ersten 4 Wochen nach Entfernung.

Soll ich die Bewertung einfach nochmal melden?

Nicht identisch. Eine 1:1 Wiederholung wird automatisch verworfen. Du brauchst neue Argumentationspunkte oder zusätzliche Beweise, sonst läuft die Meldung ins Leere.

Kann Google die Bewertung dauerhaft sperren?

Nicht den Bewertungstext, aber das Reviewer-Profil. Bei nachgewiesenem wiederholten Verstoß kann das Profil suspended werden. Das braucht aber Beweise und meist mehrere parallele Fälle.

Was kostet professionelle Hilfe bei wiederkehrenden Bewertungen?

Bei Swissblade fließen wiederholte Cases ins Monitoring-Paket (990 CHF jährlich) inklusive — wir melden Reposts automatisch ohne Zusatzgebühr. Bei Einzelmandaten 190 CHF pro Wieder-Entfernung.


Weiterlesen: Wie du beim ersten Mal richtig meldest, steht im Artikel zum Selbst-Melden von Google-Bewertungen. Bei klar koordinierten Angriffen lies Bewertungen vom Konkurrenten. Wenn der Anwaltsweg in Frage kommt: Anwaltsschreiben für Google-Bewertungen.